Feedback zu meiner Art Scrum zu vermitteln!

Hallo Boris,

wie vorhin über Skype abgesprochen, hier ein erstes Feedback zum 3-Tages-Training in Graz für Deinen Blog:

Die Reaktionen der Teilnehmer bei uns in der Firma sind ausnahmslos positiv – alle finden es super, dass wir das Training mit Dir veranstaltet haben. Du hast in den 3 Tagen 30 Leuten eine gemeinsame Vision davon vermittelt, wie wir in Zukunft entwickeln wollen!
Die eine Hälfte der Teilnehmer gehört zu meinem Team von knapp 40 Leuten, das bereits seit 1 Jahr mit Scrum die Telko BSS Software Infonova entwickelt (siehe http://www.infonova.com). Wenige Tage nach dem Training haben wir 14 Teilnehmer uns intern zusammengesetzt, um herauszuarbeiten, welche Dinge wir verbessern wollen aufgrund der neu gewonnen Erkenntnisse. Nach ein paar Tagen mit kurzen Workshop haben folgende 5 Hauptpunkte herausgeschält:

Die strategische Planung, also die kontinuierliche Sprint-begleitende Arbeit am Product Backlog, ist bei uns bisher zu wenig klar verstanden und umgesetzt worden. Ab nächster Woche werden darum die Product Owner wöchentliche Schätzmeetings veranstalten und mit den Teams die jeweils höchsten Backlog Items granularer runterbrechen, so dass jedes Team bei der Sprintplanung 1 schon gut informiert ist, was zur Entwicklung ansteht.

Das Versprechen der Scrum Teams an die Product Owner, die für einen Sprint zugesagte Funktionalität verlässlich umzusetzen, ist oft zu nachlässig behandelt worden (“Was in diesem Sprint nicht fertig wird, machen wir halt im nächsten weiter.”) Hier wollen wir zum einen durch transparente Release-Planung erreichen, dass den Teams zu jeder Zeit klar ist, welche Konsequenzen es für den Product Owner hat, wenn Funktionalitäten nicht wie zugesagt fertig werden. Zum anderen werden wir die “Emergency Procedure” einführen (Innovate, Find Someone Else, Drop Backlog Item, Abort Sprint), um nicht leichtfertig das Commitment zu brechen.

Wir wollen weiterhin einen stärkeren Fokus auf das Fertigstellen und Abnehmen von fertigen User Stories schon innerhalb eines Sprints legen. Ziel ist das Fertigstellen neuer Funktionalität alle 2-3 Tage. Dazu stellen wir unsere Burndown Graphen auf das von Dir vorgestellte Format um, d.h. keine Stunden mehr sondern Story Points auf der “y-Achse”. Das Update der noch offenen Stunden auf den Task-Karten in den Daily Scrum Meetings werden wir ersetzen durch das tägliche Runterbrechen von Tasks auf Aufgaben, die in einem Tag erledigt werden können. Ausserdem werden wir konsequenter als bisher darauf Wert legen, dass jedes Team die User Stories streng sequenziell abarbeitet, um die wichtigeren User Stories schneller fertig zu bekommen. Zusätzlich werden wir beim Vorbereiten des Backlogs darauf achten, im Sinne von “Slice the Cake” noch kleinere User Stories als bisher zu erzeugen. Hierzu werden wir auch die Teams umstellen, um sie noch universeller zu machen, damit jedes Team komplette kleine E2E “Cake Slices” umsetzen kann.

Deine Anregungen, Defects nicht mehr zu managen sondern solche sofort zu fixen, die “weh tun” und diese am Board zu der aktell in Bearbeitung befindlichen User Story zu hängen, finden wir gut und setzen wir so um. Es passt gut zu unserer Continuous Integration Philisophie, erst rot gewordene Tests zu fixen, bevor wir mit neuer Funktionalität weitermachen.

Letztlich sind die Product Owner dabei, zusammengehörige User Stories zu Projekten zusammenzufassen, diese zu priorisieren, und die Teams sich ganze Projekte aussuchen zu lassen, statt wie bisher ggf. im Sprint mehrmals den Fokus zwischen verschiedenen Projekt-Kontexten wechseln zu müssen.

Diese 5 Punkte haben wir gestern dem gesamten Team vorgestellt, und dabei zu unserer Überraschung gar nicht so viel Widerstand erfahren wie befürchtet, auch nicht bei eher fordernden Aussagen wie “Alle 2-3 Tage liefern” oder “Ziel: Keine Defects mehr.”. Nach 4 Stunden Vorstellung der Ideen und Ausdiskutieren waren die Themen durch. Hierbei hat sicher geholfen, dass wir schon 1 Jahr Erfahrung mit Scrum haben, aber auch dass wir zum einen durch Deinen Kurs aber auch durch unsere eigenen internen Workshops gut vorbereitet waren und ein konsistentes Bild vermitteln konnten. Aufgefallen ist uns dabei, wie gut Du im Kurs mit Hilfe von Bildern Botschaften und Visionen vermittelt hast. Wir haben auf ähnliche Weise die 5 Hauptpunkte mit Bildern zu assozieert, z.B. “Slice The Cake” mit Tortenstücken, das Versprechen zwischen Team und Product Owner mit einem Handschlag usw.

Als erste Konsequenz haben wir heute erfolgreich die Teams neu zusammengestellt, damit jedes wirklich E2E arbeiten kann. D.h. nicht wir haben die Teams zusammengestellt, sondern den von Dir und Ken Schwaber beschriebenen Ansatz gewählt, dem Team den Backlog zu zeigen und sich selber formieren zu lassen. In einer Stunde haben sich 4 Teams gebildet, die die vorgebenen Randbedingungen wie 7+-2 Leute, 80% der Skills im Team usw. erfüllt haben und auch wichtige Punkte mitberücksichtigt haben, die zentral schwer alle zu berücksichten sind, z.B. wer abeitet gern zusammen mit wem, welche Skills lassen sich ggf. auch ohne dezidierten Experten durch Sekundärskills von Teammitgliedern abdecken, wer möchte welche Bereiche neu lernen usw.

Am Montag werden wir die neu gebildeten und priorisierten Projekte an die neu formierten Teams “versteigern”, ein erstes Schätzungsmeeting machen und am Dienstag mit der Sprintplanung beginnen. Ich halte Dich auf dem Laufenden, wie wir die 5 Verbesserungs-Themen auf die Reihe bekommen, bin aber grundsätzlich positiv gestimmt, da das Team die Vision verstanden hat. Der Rest ist wie immer Handwerk, harte Arbeit, Hartnäckigkeit und konsequentes Verbessern und in Frage stellen.

Insgesamt also nochmal Danke für Deine Visionen und Anregungen, insbesondere der neuesten Erkenntnisse aus der agilen Community, die ich z.T. noch ein keinem Buch gelesen habe, z.B. die neue Art der Burndown-Graphen.

Beste Grüße aus Graz und bis bald
Stefan

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